Eine Risikoanalyse benennt, was in einem Projekt schiefgehen kann, wie wahrscheinlich das ist und was es kosten würde. Sie ist kein Verwaltungsakt, sondern eine Denkhilfe: Wer die drei größten Risiken eines Auftrags kennt, kalkuliert anders und schläft besser.

Wofür ein Handwerksbetrieb sie braucht

Im Alltag reicht Erfahrung meistens aus. Bei größeren oder ungewohnten Aufträgen nicht. Ein Altbau mit unbekannter Substanz, ein Termin mit Vertragsstrafe, ein Kunde ohne Zahlungshistorie, ein Material mit langer Lieferzeit: Jedes dieser Risiken kann einen Auftrag von auskömmlich auf verlustreich drehen.

Die Analyse zwingt dazu, das vor der Zusage auszusprechen. Häufig ändert sie nicht die Entscheidung, aber den Preis: Wer das Risiko sieht, kalkuliert einen Zuschlag ein, statt zu hoffen.

Wie sie aufgebaut ist

Für jedes Risiko werden vier Dinge festgehalten. Erstens die Beschreibung: Was genau kann passieren? Zweitens die Eintrittswahrscheinlichkeit, grob geschätzt in niedrig, mittel, hoch. Drittens die Auswirkung, am besten in Euro oder in Tagen. Viertens die Maßnahme: Was tun wir, um es zu verhindern oder abzufedern?

Wahrscheinlichkeit mal Auswirkung ergibt eine grobe Rangfolge. Sie muss nicht genau sein. Sie muss nur die zwei oder drei Punkte nach oben bringen, um die man sich tatsächlich kümmert.

Typische Risiken im Handwerk

Zahlungsausfall beim Kunden, besonders bei Privatkunden ohne Abschlagsregelung. Nachträge, die niemand schriftlich festgehalten hat. Materialpreise, die zwischen Angebot und Ausführung steigen. Lieferzeiten, die den Termin kippen. Unbekannte Bausubstanz, die Mehrarbeit erzeugt. Krankheit in einer kleinen Kolonne. Witterung bei Arbeiten im Freien.

Zu jedem dieser Punkte gibt es eine Maßnahme, die nichts kostet außer Disziplin: Abschlagszahlungen vereinbaren, Nachträge schriftlich bestätigen lassen, Preisgleitklauseln aufnehmen, kritisches Material früh bestellen, Puffer einplanen.

Die Verbindung zur Kalkulation

Ein Risiko, das man kennt, gehört in den Preis. Genau dafür gibt es in der Kalkulation Zuschläge. Wer sie pauschal über alle Aufträge legt, verteuert die unkritischen und subventioniert die riskanten. Besser ist, das Risiko dort aufzuschlagen, wo es anfällt. Die Preiskalkulation liefert die Grundlage dafür.

Nach dem Auftrag lohnt der Blick zurück: Welches Risiko ist eingetreten, welches nicht? Wer das zwei- oder dreimal macht, kalkuliert deutlich treffsicherer. Die Zahlen dafür liefert die Nachkalkulation, sofern Stunden und Material am Auftrag erfasst wurden.

Ein Dokument, das lebt

Eine Risikoanalyse, die einmal geschrieben und nie wieder geöffnet wird, war vergeudete Zeit. Sinnvoll ist ein kurzer Blick bei jedem Baufortschritt: Ist ein Risiko entfallen, ist ein neues dazugekommen? Bei längeren Projekten genügt ein Termin alle zwei Wochen, zehn Minuten reichen.

Die Vorlage richtig nutzen

Die Vorlage enthält eine Tabelle mit den vier Spalten und Platz für Verantwortliche und Termine. Beschränken Sie sich auf die Risiken, die den Auftrag wirklich gefährden. Eine Liste mit dreißig Punkten liest niemand; eine mit fünf wird besprochen.

Für vertragliche Fragen, etwa zu Vertragsstrafen oder Preisgleitklauseln, holen Sie Rechtsrat ein. Diese Seite erklärt den Aufbau.